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Fragen und Antworten rund um das Thema Welternährung

Wie ist es eigentlich um die Welternährung bestellt? Wer muss auf der Welt hungern und was können wir dagegen tun? Anlässlich des Welternährungstages am 16.10.2017 haben wir Fakten zum Thema Welternährung zusammengestellt.

1.) Wie viele Menschen hungern weltweit und wo leben sie?

  • 815 Millionen Menschen leiden an chronischem Hunger. Jeder neunte Mensch auf der Welt.
  • Hunger ist das größte Gesundheitsrisiko weltweit. Mehr Menschen sterben jährlich an Hunger als an AIDS, Malaria und Tuberkulose zusammen. (Quelle: World Hunger and Poverty Statistics, WHO 2013)
  • Fast alle Hungernde leben in Entwicklungsländern. In einzelnen Ländern wie der Zentralafrikanischen Republik (58,6 %), Sambia (45,9 %) oder Haiti (46,8 %) war im Schnitt der letzten drei Jahre jeder Zweite unterernährt
  • Absolut betrachtet leben die meisten Menschen, die Hunger leiden, in Asien (11,7% der Bevölkerung oder 520 Millionen).
  • In Bezug auf die Bevölkerungszahlen leben die meisten Menschen, die Hunger leiden, in Afrika. Hier hungert jeder Fünfte (20% oder 243 Millionen Menschen), in Ostafrika ist es sogar jeder Dritte.
  • Etwa 2,5 Milliarden Menschen fehlen mindestens ein, wenn nicht sogar mehrere Nährstoffe, die für ein gesundes Leben wichtig sind. Dieser qualitative Mangel an Nahrung – im Gegensatz zum quantitativen Mangel an Nahrung, dem Kalorienmangel – wird auch als „Stiller Hunger“ oder „Versteckter Hunger“ bezeichnet. Fast jeder dritte Mensch ist davon betroffen.
  • Gleichzeitig gibt es weltweit 1,9 Milliarden Übergewichtige, davon 600 Millionen (2014) Fettleibige (tendenziell steigend, besonders in Schwellen-und Entwicklungsländern).

2.) Wer sind die Hungernden und Mangelernährten?

  • Vier von fünf extrem Armen (Menschen, die weniger als 1,9 USD pro Tag zur Verfügung haben) leben in ländlichen Gebieten. Von den Hungernden sind 50% Kleinbauern, 8% Fischer und Hirten, 22% Landarbeiter und Landlose und 20% städtische Arme.
  • 70% der Hungernden und Mangelernährten sind Frauen und Mädchen.
  • Von Kindern unter fünf Jahren
    ...sterben 3 Millionen jährlich an den Folgen von Mangelernährung, das sind sechs Kinder jede Minute,
    ...ist fast jedes Vierte im Wachstum zurückgeblieben (über 155 Millionen),
    ...leidet ein Drittel an Vitamin A-Mangel, bis zu 500.000 sind von vermeidbarer Erblindung betroffen,
    ...können 200 Millionen ihr volles Potential wegen Jod- und Eisenmangel sowie eingeschränktem Wachstum nicht erreichen,
    ...hätte jedem dritten Kind, das an den Folgen von Durchfall und Mangelernährung stirbt, mit sauberem Trinkwasser und Sanitärversorgung geholfen werden können.
  • Die Projektion: Bis 2050 wird die Zahl der Armen in den Städten zunehmen, aber immer noch werden 50 Prozent der Armen in ländlichen Gebieten leben.

3.) Wie hat sich die Zahl der Hungernden entwickelt?

  • Im Vergleich zu 1990 ist die Zahl der hungernden Menschen im Jahr 2016 weltweit um 185 Millionen Menschen gesunken, von einer Milliarde Menschen auf 815 Millionen Menschen. Die UN-Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) sieht jedoch Rückschritte im Kampf gegen den Hunger. Seit 2015 steige die Zahl der unterernährten Menschen weltweit erneut, so FAO-Generaldirektor José Graziano da Silva.
  • Derzeit herrschen in 19 Ländern lang anhaltende Krisen, die in vielen Fällen von extremen Wetterphänomenen wie Dürre und Überflutungen begleitet oder ausgelöst würden. Am Horn von Afrika herrscht auch aufgrund der Kriegshandlungen eine Hungersnot, von der 20 Millionen Menschen betroffen sind.
  • Hunger gibt es vor allem dort, wo kriegerische Konflikte ausgetragen werden. In solchen Gebieten lebten 2016 etwa 60 % aller weltweit Hungernden. 
  • Fortschritte im Kampf gegen den Hunger verlaufen in den einzelnen Ländern und Regionen sehr unterschiedlich. In Afrika hat die Zahl der hungernden Menschen in diesem Zeitraum sogar um 61,8 Millionen Menschen zugenommen, in Lateinamerika und in Asien dagegen abgenommen.

4.) Kann die Weltbevölkerung ernährt werden?

Ja, die globale Landwirtschaft verfügt über den notwendigen Stand der Technik. Darin sind sich die
FAO und auch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) einig. Auch der Weltagrarbericht (IASSTD) kam 2008 zu diesem Ergebnis.
Danach sind vor allem bäuerliche Strukturen - in Asien, Afrika und Lateinamerika - die wichtigsten Garanten und die größte Hoffnung einer sozial, wirtschaftlich und ökologisch nachhaltigen Lebensmittelversorgung der wachsenden Weltbevölkerung.

Brot für die Welt fordert im Einklang mit internationalen Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen ein Umsteuern von der Verschwendung von Ressourcen zur Nachhaltigkeit, von der Förderung der industrialisierten Landwirtschaft zu mehr Hilfen für bäuerliche Landwirtschaft. So dienten 2012 weniger als die Hälfte der weltweiten Getreideernte, nur 47 Prozent der menschlichen Ernährung. Der Rest war Tierfutter (34%), Sprit/Bioethanol (6%), industrieller Rohstoff und Abfall (13%).

5.) Was kann jeder von uns tun, um den Hunger auf der Welt zu reduzieren?

Nachhaltig konsumieren: Auch als Verbraucher und Verbraucherin tragen wir Verantwortung. Unser Kaufverhalten fördert die Nachfrage nach bestimmten Produkten, die Anbaufläche im Süden beansprucht, das Klima strapaziert oder die ökologischen Grundlagen gefährdet.

  • Essen Sie möglichst wenig Fleisch und andere tierische Erzeugnisse. Bevorzugen Sie Fleischprodukte und tierische Erzeugnisse aus ökologischer Haltung.
  • Essen Sie regional und saisonal.
  • Kaufen Sie Produkte aus fairem Handel.
  • Setzen Sie sich als Eltern, Lehrkräfte oder Erzieherin und Erzieher für gesünderes Essen in Schulen und Kindertagesstätten ein.
  • Züchten Sie Kräuter im eigenen Garten oder auf dem eigenen Balkon. Ihr Essen wird dadurch schmackhafter und gesünder.
  • Kochen Sie gemeinsam oder wecken Sie Obst und Gemüse nach alten Rezepten ein.
  • Nutzen Sie umweltfreundliche wie zum Beispiel öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad.
  • Machen Sie auf die enormen und oft nicht rückgängig zu machenden Folgen von Mangelernährung aufmerksam.
  • Fordern Sie bei Ihren Abgeordneten deren Einsatz für eine bessere Kennzeichnung von Lebensmitteln ein.
  • Unterstützen Sie die Arbeit von Brot für die Welt mit einer Spende.


    Berlin, im September 2017
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