x
Zu den Inhalten springen
Herzlich willkommen bei Brot für die Welt in Hamburg
|| Hamburg > Welternährungstag

Im Gespräch mit Landesbischof Gerhard Ulrich:
der Journalist Matthias Adamczewski im Ökumenischen Forum Hafen City

„Unser Konsumverhalten beeinflusst den Hunger in der Welt“
Landesbischof Ulrich zum Welternährungstag

Auf Einladung von Brot für die Welt diskutierten am 15. Oktober um 19 Uhr Vertreter von Kirche, Landwirtschaft, Politik und Lebensmittelwirtschaft über Ursachen und Strategien gegen den Hunger in der Welt. Anlass war der heutige Welternährungstag am 16. Oktober.

Einig waren sich alle, dass der Hunger in der Welt nur mit Investitionen und Entwicklungsprogrammen in ländlichen, strukturschwachen Regionen – also genau dort, wo heute viele Menschen Hunger leiden - bekämpft werden kann. Während Felix zu Löwenstein, Vorstand im Bund ökologischer Landwirtschaft mit der These „Wir ernähren uns ökologisch oder gar nicht“ ausschließlich auf ökologischen Landbau und ressourcenschonende Infrastruktur setzt, sieht Carl-Albrecht Bartmer, Präsident der Deutschen Lebensmittelgesellschaft DLG auch eine Lösung darin, mehr technischen Fortschritt in die Landwirtschaft in Afrika, Asien und Lateinamerika zu bringen. „Dünger, Pflanzenschutzmittel oder große Maschinen, die die Arbeit erleichtern, sind nicht immer schlecht.“, betont Bartmer. Für die Politikerin Dr. Christel Happach-Kasan, bis September Ernährungspolitikerin der FDP-Fraktion, liegt die Lösung in Bildung. „Erst Bildung schafft die Möglichkeit, dass Menschen gut für sich selber sorgen können. Das war auch in Europa so.“


Dr. Klaus Seitz, Leiter Abteilung Politik von Brot für die Welt, wies darauf hin, dass es neben der konkreten Hilfe vor Ort zum Beispiel für Brunnen oder für Schulen auch wichtig sei, Menschen in der Durchsetzung ihrer Rechte zu unterstützen. „Es gibt ein Recht auf Recht“. Landraub in Lateinamerika und Afrika ist nur möglich, weil es keine verbrieften Eigentumsrechte - wie bei uns in Grundbüchern – gibt. Es trifft dann meist indigene Völker, die sich nicht wehren können. Brot für die Welt unterstützt daher seit Jahren auch Rechtsanwälte, die Dorfgemeinschaften bei dem Kampf um „ihr“ Land vertreten. Darüber hinaus können sich Brot für die Welt und die Diakonie Deutschland ideal ergänzen: Weil unsere Agrarpolitik Auswirkungen auf die Situation der Menschen in anderen Teilen der Welt hat, müssen wir hier in Deutschland entsprechende Fragen an die Politik stellen.


Unverständlich ist für Gerhard Ulrich, Landesbischof der Nordkirche, „dass wir die Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika immer noch wie Rohstofflieferanten behandeln. Europa ist der größte Importeur von Lebensmitteln – obwohl wir hier über gute klimatische Bedingungen und gute Böden verfügen“. Mehr als die Hälfte der weltweiten Lebensmittelproduktion werde jedoch nicht von Menschen verzehrt, sondern zu Tierfutter, Biosprit oder gleich zu Abfall verarbeitet. „Vor diesem Hintergrund müssen wir uns deutlich vor Augen führen: Unser Konsumverhalten beeinflusst den Hunger in der Welt“, so der Landesbischof. „Für den Fleischkonsum in Europa werden Menschen in Lateinamerika von ihrem Land vertrieben, damit dort Soja als Tierfutter für unsere Massentierhaltung angebaut werden kann.“

So sind sich alle einig: Ein „Weiter so“ kann es nicht geben. Wichtig sei vor allem ein Konsumwandel in Europa, gut überlegte Investitionen in ländliche Räume, der Zugang zu Bildung und das Einwirken auf die Politik. „Wir müssen dabei nah an den Menschen sein und bedenken, dass auch oder gerade die vielen kleinen Projekte und Ideen etwas gegen den Hunger in der Welt bewirken können.“, so Landesbischof Ulrich.

 

  • © 2017 Brot für die Welt.